Artifex und BricsCAD BIM

Dies ist eine Antwort auf eine Frage ob und wie  Artifex mit BricsCAD BIM zusammen arbeitet.
Die Frage war:
Verwendet Ihr auch die Bauteile von Bricscad BIM? Oder habt ihr eure eigenen Bauteile. Das Entwerfen in der 3D-Ansicht ist uns auch wichtig.

Meine Antwort: (Stand Mai 2021)
Wir arbeiten seit mehr als 2 Jahren daran beide  Programme, also BricsCAD BIM und unser Artifex zusammen zu fassen. In unserem Bewehrungsprogramm  sind wir soweit, dass wir hier die BricsCAD BIM Bauteile in die Erzeugung der 2D Pläne aus dem globalen 3D Bewehrungsmodell mit benutzen und den BricsCAD BIM Workflow unterstützen, bzw. „praxisgerechter“ zu machen. Eine erste Betaversion unserer Artifex für BricsCAD BIM Bewehrung wird es in den nächsten Wochen geben.

In unserem Gebäudeentwurf arbeiten wir daran, dass man  unsere Bauobjekte wie Wände, Treppen etc.  als BricsCAD BIM  zu übergeben, was den Vorteil hat, daß man damit besser in 3D mit allen Griffen, Strecken etc. flexibler ist. Der Nachteil aber bei der Übergabe als BricsCAD BIM Objekt, was ja nichts weiter als ein CAD Solid mit BIM Attributen ist, doch einiges an Intelligenz der Bauteile verliert. Dann aber binden wir die BricsCAD BIM Bauteile in unserer Generierung von echten, baugerechten Drauf,- Untersichten, Schnitten mit ein.

Um das Ganze verständlicher zu machen  muss ich etwas ausholen, denn es findet  gerade ein Paradigmenwechsel  in der Bau CAD Welt statt.
Die nachfolgende Erläuterung zeigt die Entwicklung der Bau CAD und man versteht warum gerade in der heutigen Zeit ein großer Umbruch auf diesem Gebiet stattfindet.

Ich bin Bauingenieur, meine Diplomarbeit 1985 war ein  Software Programm zur Berechnung von Einflusslinien bei Brücken mit grafischer Ausgabe. Danach nach einem Praxisjahr im Bau, war ich bei einem Bau CAD Hersteller und habe 1988 WELLCOM Software gegründet. Daher kenne ich den Markt und die Geschichte der Entwicklung von Bau Software recht gut, da ich mehr oder weniger von Anfang an dabei war.

Ganz am Anfang der Entwicklung, als es noch keine allgemeine CAD Programme wie AutoCAD gab, haben die Bausoftwarehäuser wie Nemetschek, RIB  angefangen Ihre Statik Programme  mit Grafik zu erweitern. Daraus wurden dann auch Grafikeingaben, und  rudimentäre Bauobjekte erschaffen. Diese Entwicklung  setzte sich  fort, es ging, in Richtung 3D, was im CAD Maschinenbau damals schon recht weit war. CATIA konnte schon beeindruckende Konstruktionen erstellen. Firmen wie IBM fingen  an Ihre CAD aus dem Maschinenbau für das Bauwesen anzupassen und es wurden neue Firmen gegründet wie IEZ  welche damals verschiedene UNIX Plattformen benutzten oder  auch Bricsnet, dem Vörgänger von Bricsys, gegründet  von Eric de Keyser. Ich war bei einer dieser Firmen als junger Programmierer und kenne die meisten Firmen und Leute noch von damals.
Das Hauptproblem damals war aber nicht die eigentliche Bau Logik, sondern die Grafikumgebung. Alles, jeder Drucker, Plotter- Treiber musste selbst erstellt werden, die Hardware, die Grafikkarten wechselten ständig, es gab kein gemeinsames OpenGL.

Dann kam Ende der 1980, Anfang der 1990 AutoCAD, Microstation etc. auf den Markt und boten  sich über Programmierschnittstellen als Plattform an. Man sparte eine Menge Entwicklungsarbeit in dem mna diese Programme als Grafikplattform benutzte.
Da gab es dann 2 verschiedene Arten von Bau Appliaktionen auf AutoCAD und den anderen CAD Plattformen wie Microstation, CADKey usw. Ich habe wie gesagt 1988 WELLCOM Software gegründet mit dem Anspruch das Beste aus beiden Welten zusammen zu fassen. Also richtige Bauobjekte in eigener Datenhaltung und die meist besseren Grafikeigenschaften Programme wie AutoCAD, Microstation.  Durch deren höhere Verbreitung   war es auch einfacher Mitarbeiter mit CAD Grundkenntnissen auf diesen Plattformen zu finden. Und auf diesen Plattformen liefen auch noch andere Applikation wie TGA, Tiefbau und somit hatten auch größere Planungsbüros die Möglichkeit auf einer gemeinsamen Plattform zu arbeiten. Andere Hersteller benutzen das Basisprogramm so, daß man die vorhandenen Möglichkeiten nutze um daraus ein Bauprogramm zu machen. Im 3D Bereich hat man also wir heute bei BricsCAD BIM Solids etc. genommen  und mit entsprechenden Attributen versehen. Die Nachteile aber sind, dass man bei Veränderungen meist direkt an dem Solid arbeitet.  Nehmen Sie eine Stahlbetonwand und einen Unterzug. In der 2D Ableitung muß dies natürlich verschmolzen werden. Artifex , unsere Applikation, erstellt daher für die Ausgabe Zwillinge. Die Ausgabe geht über die berechnenden Zwillinge. Ändern, oder löschen Sie in anderen Applikationen den Unterzug haben Sie eine Wand mit Loch, da man ja vorher an dem Solid zugefügt hat.

Nun komme ich zu dem aktuellen Paradigmenwechsel.

Vom Bau-CAD zu BIM.

Ein wirklicher Austausch von Planungen im Bau CAD ist mit den unterschiedlichen Arten der Datenhaltung der einzelnen Hersteller nicht möglich.  DWG oder DXF am Anfang haben Zeichnungen mit Attributen getauscht.
Es musste eine gemeinsame Sprache her und dies ist IFC.

Die Industry Foundation Classes (IFC) sind ein offener Standard im Bauwesen zur digitalen Beschreibung von Gebäudemodellen (Building Information Modeling).
Definiert werden die IFC von buildingSMART e.V. International (bSI); registriert sind sie unter ISO 16739.

Im Jahre 2000 wurden die ersten Prototypen erstellt und heut 21 Jahre später gibt es erste Erfolge bei dem Zusammenspiel und Austausch von Bau Planungen auch im Modell Bereich. Die Beschreibung der 3D Geometrie in IFC ist sehr offen und nicht immer so wie ein Bau CAD Programm seine Daten vorhält.  Schräge Wände zum Beispiel bestehen nicht aus einer „StandartWallCase“ mit einfach verschiedenen Wan Anfang-End Höhe, nein man muß mit Abzugskörpern arbeiten was an der Realität vorbeigeht.
Aber wenn man BIM ernst  meint und zu einer ganzheitlichen Zusammenarbeit kommen möchte muß man sich darauf einstellen und so gut es geht dies unterstützen.

Jetzt bin ich wieder am Anfang und bei Ihrer Frage:
Verwendet Ihr auch die Bauteile von Bricscad BIM? Oder habt ihr eure eigenen Bauteile.
Antwort:
Wir arbeiten daran. Denn wie die Daten aus einer IFC Übergabe, müssen die CAD Programme in Zukunft auch mit Bauteilen arbeiten welche nicht direkt in Ihr bisheriges Datenmodel passen.

Viele Anbieter sind ebenfalls dabei genau dies zu tun. BricsCAD BIM ist dafür geradezu ein Paradebeispiel. Wie oben beschreiben geht man aber hier den Weg ohne eigene Bau Objekte mit deren Vor- und Nachteilen. Aber es ist eine offene Plattform und so können Hersteller wie wir mit unserer Erfahrung und vorhandenem praxiserprobten Algorithmen passende, normgerechte Lösungen anbieten.

Andere Anbieter wie Autodesk versuchen ihr Bau CAD, ihr Revit,  als den Standard für BIM zu machen und sagen zum heutigen Standpunkt noch zurecht dass IFC mehr ein Export als ein Import Format ist. Dies hat man aber erkannt und erweitert entsprechend das IFC Format, was man zum Beisoiel im Übergang vom ‚CoordinationView‘ zum ‚DesignView‘ sieht.

 

Thomas Kurtz

Geschäftsführer
WELLCOM Software GmbH